Die Investmentwelt von 1968

Als Universal-Investment laufen lernte, sah die Welt in Deutschland noch anders aus. Bahnbrechende Neuerungen gab es nicht nur in Politik und Gesellschaft, sondern auch am Finanzmarkt.

So wurde Gold 1968 zum ersten Mal seit 1944 wieder frei an der Börse gehandelt und damit das Ende des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse fünf Jahre später eingeleitet. In Deutschland wurde die Börsensachverständigenkommission gegründet, die seither das Finanzministerium in Fragen der Kapitalmarktpolitik berät.

Eine große Innovation bot die Kreissparkasse Tübingen: Sie installierte den ersten deutschen Geldautomaten, der allerdings einem begrenzten Kundenkreis vorbehalten war. Wer am Automaten Bargeld abheben wollte, benötigte dafür einen Tresorschlüssel und für jeden 100-Mark-Schein eine eigene Lochkarte.

Was uns heute selbstverständlich erscheint, war vor nicht allzu langer Zeit visionär, um nicht zu sagen, revolutionär.

 

Die ersten Spezialfonds

Aus unserer Sicht war 1968 natürlich aus einem anderen Grund ein besonderes Jahr. Erstmals konnten Spezialfonds für institutionelle Investoren aufgelegt werden, damals noch unter dem Namen Individualfonds.

Zuvor hatten dieser Anlegergruppe neben der Direktanlage nur Publikumsfonds zur Verfügung gestanden, was aber für die spezifischen Bedürfnisse der Versicherungen, Pensions- und Unterstützungskassen längst nicht mehr ausreichte.

Die Bundesbank schrieb dazu in ihrem Geschäftsbericht:

„Der Sinn dieser Sonderfonds liegt neben rationalisierter Verwaltung der Wertpapiervermögen und damit verbundenen Kosteneinsparungen vor allem in dem Wertzuwachs, den sich die Unternehmen aufgrund des professionellen Wertpapier-Managements der Kapitalanlagegesellschaften erhoffen.“

Das Konzept hat überzeugt: Von den insgesamt 13 Spezialfonds des Jahres 1968 mit einem Vermögen von rund 150 Millionen D-Mark wuchs das Volumen auf fast 1,6 Billionen Euro Ende 2017.

Alles in Handarbeit

Im Arbeitsalltag eines Fondsdienstleisters war 1968 noch das meiste Handarbeit. Belege und Kontoauszüge kamen mit der Post und wurden manuell für die Buchungen vorbereitet. Man schrieb Aktien- und Anleihekurse aus den Zeitungen ab und fertigte Vermögensaufstellungen mit Tinte an. Nach den Buchungen mussten die Fonds mit Hilfe der Rechenmaschinen abgestimmt werden. Kein Wunder, dass bei so viel Arbeit kaum Zeit für eine Pause war und auch schon vor 50 Jahren manch einer am Schreibtisch zu Mittag aß.

Lebhaft diskutiert wurde 1968 über ein Gesetzesvorhaben, das „unseriöse Angebotspraktiken“ ausländischer Investmentgesellschaften in Deutschland unterbinden sollte. Dazu zählte man zum Beispiel die Anlage in Dachfonds und die Nutzung von Leerverkäufen, die besonders in amerikanischen Investmentfonds üblich waren – deutschen Anbietern waren sie verboten. Das „Gesetz über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile“ trat 1969 in Kraft.

Eine neue Ära

Der Spezialfonds, wie wir ihn heute kennen, und damit ein ganz wesentlicher Baustein der institutionellen Geldanlage, ist also noch recht jung. 1968 machte er gerade seine ersten, vorsichtigen Schritte, gewissermaßen an der Hand der gerade gegründeten Universal-Investment. Was uns heute selbstverständlich erscheint, war vor nicht allzu langer Zeit visionär, um nicht zu sagen, revolutionär.